GEHEIMWAFFE ZUHÖREN
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GEHEIMWAFFE ZUHÖREN

Die meisten Menschen argumentieren wenn Sie etwas erreichen wollen. Wenn Du auch dazu neigst, dich „zu erklären“ und wortgewandt deine Position zu vertreten, beobachte doch mal in nächster Zeit, wie solche Gespräche wirklich verlaufen. Einer redet und argumentiert und der andere hört (bestenfalls) zu. Dann kommt der Rollenwechsel und Kanditat zwei beschreibt seine oder ihre Position. Person 1 ist wieder dran, wiederholt, führt aus, formuliert neu und findet weitere Beweise. Dann wieder 2 und so weiter und so weiter.

Hast du schon oft erlebt, dass einer der beiden die eigene Meinung ändert oder auch nur in Frage stellt? Ich nicht. Meist ist es sogar so, dass sich die Standpunkte verfestigen und der Weg immer weiter auseinander geht. Vor allem aber sind solche Diskussionen anstrengend. Alle Beteiligten mühen sich und kämpfen. Sie müssen immer neue Wege finden, ihr Position zu verteidigen und der Frust nimmt bei allen beteiligten zu. 

Was passiert dagegen, wenn Du jemandem zuhörst? Du verstehst ihn besser. Du lernst etwas über die Person. Du investierst in die Beziehung. So gesehen bietet das Zuhören nur Vorteile, wenn du etwas erreichen willst, oder? Ausserdem ist es leichter und entspannter, weil du zunächst nichts machen musst. Da sein, die Ohren spitzen und den Geist öffnen reicht. 

Allerdings könnte das neue Verständnis für deinen Gesprächspartner auch bedeuten, dass es dir nicht mehr so leicht fällt, deine Interessen rücksichtslos durchzusetzen, nicht wahr? Je mehr du weisst, desto mehr könntest du auch die Bedürfnisse und Sichtweisen des anderen nachvollziehen und deine eigenen Ziele in Frage stellen. Und dann? 

Dann entsteht vielleicht ein dritter Weg der die Interessen aller Beteiligten in Betracht zieht. 

Hier ein einfaches Beispiel:

Ein Ehepaar will sich über das nächste Urlaubsziel einig werden. Er will in die Berge, sie ans Meer. Klassisch erklären beide ihr „Warum“: Sie ist groggy vom Jahr und will nur ausspannen, im Liegestuhl liegen und lesen. Und er braucht nach einem Jahr am Schreibtisch und im Auto Bewegung und will sich austoben. Das können die beiden nur wortgewaltig erklären, sich darüber verstreiten und am Ende zieht einer von beiden aus und Haus, Katze und Hund werden durch Anwälte aufgeteilt. 

Alternativ können sie aber auch ihre Wünsche äussern und dann anfangen die Interessen des anderen zu hinterfragen und zu verstehen. Die Zauberfrage dabei lautet: Worum geht es dir dabei? Worum geht es dir, wenn du ans Meer willst? Worum geht es dir beim Wandern?

Ich bin sicher, dass sich auf Basis des gegenseitigen Verständnisses ein dritter Weg finden lässt. Wie wäre es mit einem Wellness-Hotel in den Bergen? Er kann tagsüber kraxeln oder mountainbiken. Sie liest derweil im Liegestuhl mit herrlicher Bergsicht (dabei würde er ohnehin nur stören). Abends verbringen beide gemeinsam Zeit in der Sauna, beim gediegenen Essen oder an der Hotelbar. Das klingt doch gut, oder? Ich würde jedenfalls mitfahren. Jetzt sofort. 

Probieren Sie es aus. Hören Sie einfach mal zu. Machen Sie nichts. Halten Sie den Mund. Und schalten Sie ihren Geist auf Empfang. Und wenn ihr Gegenüber scheinbar fertig ist, warten Sie noch einen weiteren Moment (zählen Sie bis fünf). Oft redet ihr Gesprächspartner dann weiter weil er oder sie die Pause zum Nachdenken genutzt hat. 

Das tolle ist übrigens, dass Sie das Geschenk, dass Sie dem anderen mit dem Zuhören gemacht haben, in der Regel sofort zurück bekommen. Wer zuhört, dem wird auch zugehört. Und das ist die Basis für viele tolle, neue Ideen, die die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen. 

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