SEI DIR NICHT BÖS’!
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SEI DIR NICHT BÖS’!

Häh? Hab ich mich verschrieben? Müsste es nicht heißen: „Sei mir nicht bös’?“ Natürlich habe ich mich nicht verschrieben. Ich meine es genau so. Wie oft sind wir uns selbst so böse, beschimpfen uns und sagen uns Dinge, die wir von anderen nie akzeptieren würden? Und das, weil wir unseren eigenen Erwartungen nicht entsprechen – obwohl wir diese Erwartungen nie daraufhin hinterfragt haben, ob sie überhaupt zu uns passen. Verwirrend? Ja, und gleichzeitig so menschlich.

Eine Klientin von mir ist mit sich selbst unzufrieden. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie einfach nie so richtig entspannen kann. Dabei fühlt sie sich doch so überarbeitet und meint, die Ruhe zu brauchen. Ich frage nach: „Was verstehst Du unter Entspannung?“ „Na, ich müsste einfach mal nichts tun, oder nur ein Buch lesen.“ Ich hake nochmal nach: „Stimmt das? Bist Du ein Mensch, der so entspannt?“ Sie denkt nach. Nach einer Weile sagt sie: „Nein, eigentlich nicht. Ich wusle eigentlich lieber. Ich mache dies und das, arbeite ein bisschen im Garten, mache was im Haus. Ohne Zeitdruck und Verpflichtung. Das entspannt mich viel mehr.“

Dieses Phänomen begegnet mir in meinen Coachings öfter. Da machen sich Menschen immer wieder Vorwürfe, dass sie bestimmte Dinge tun oder andere nicht tun, die sie doch eigentlich tun müssten. Doch wer sagt das eigentlich? Muss Entspannung rumliegen bedeuten? Ist man unengagiert, wenn man sich nicht ununterbrochen dem Beruf widmen will? Liebt man seinen Partner nicht, weil man ab und zu ein bisschen Freiraum oder sogar getrennte Wohnungen möchte? Welche Vorstellungen liegen denn zugrunde bei der Bewertung von Entspannung, Engagement, Beziehung, Erfolg und allem anderen, was das Leben ausmacht? In den meisten Fällen stammen diese, oft etwas festgefahrenen, Vorstellungen aus unserer Herkunftsfamilie, Kultur und Historie. 

Ich habe mir als Kind einreden lassen, ich sei faul, weil ich meine Hausaufgaben schlampig und manchmal gar nicht gemacht habe. Ich bin mir aber inzwischen sicher, dass ich nie faul war. Ich habe ja immer gern etwas gemacht, gemalt, musiziert oder gelesen. Alles Tätigkeiten, die ich heute sehr produktiv und nützlich finde und die mich vielleicht weiter gebracht haben, als meine Geschichts- oder Englisch-Hausaufgaben. Was ich an Geschichte und Englisch wirklich brauchte, habe ich mir zu einem anderen Zeitpunkt, als Erwachsene zielgerichtet und mit viel Freude angeeignet. Ich habe viel über Geschichte gelesen – was ich wollte und wann ich es wollte. Und Englisch spreche und schreibe ich heute fließend – thank you very much. Trotzdem habe ich das Märchen von der faulen Franziska lange geglaubt und mir selbst bittere Vorwürfe gemacht. 

Deshalb hier meine Bitte: Glaub nicht alles, was Du Dir selbst erzählst. Es gibt so viele Wege zum eigenen Glück. Wichtig ist rauszufinden, was für Dich stimmt. Und wenn Du Dich selbst beschimpfst, frag Dich mal, wessen Worte Du da eigentlich hörst. Meistens sind es nämlich gar nicht Deine, sondern die Deiner Eltern, Großeltern, Lehrer oder schlicht die der Gesellschaft, in der Du aufgewachsen bist. 

Sei lieb zu Dir, respektiere Deine Art die Dinge zu machen und suche Dir ein Umfeld, dass dich ebenfalls so akzeptiert, wie Du bist. Nicht so einfach? Wenn Du zu festgefahren bist, in Deinen selbstgesteckten und nicht stimmigen Erwartungen, kann Dir eine Methode wie Logosynthese helfen einige „eingefrorene“ Glaubenssätze aufzulösen. 

Nur Mut! Das Leben ist gnädig. Sei Du es auch.

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